„Geht es den Eltern gut, blühen auch die Kinder auf.“

Eine „Erzieherin aus Leidenschaft“ blickt zurück.

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an die vergangenen 15 Jahre denken?

Eine reich gefüllte und sinnstiftende Arbeitsphase. Tolle und motivierte Mitarbeiterinnen in allen drei Kindergarten-Teams. Viele gute Gespräche und Begegnungen mit Eltern. Der konstruktive Austausch mit Kolleginnen und Kollegen in der Einrichtungsleiterrunde der Diakonie. Und vor allem „unsere“ Kinder. Sie haben mich mehr geprägt, als mir bewusst war.

Was hat Sie damals bewogen, die KitaLeitung zu übernehmen?

Mein Weg in die pädagogische Arbeit war ein kontinuierlicher Prozess „von den Zahlen zu den Menschen“. Schon im Erstberuf als Bankkauffrau und Anlageberaterin ging es darum, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen: mit Kunden ins Gespräch kommen, Verständnis für ihre Anliegen zeigen, sie kompetent begleiten. Auf Dauer hat es mir nicht gereicht, nur gute Verträge abzuschließen. Ich wollte näher „an den Menschen“ arbeiten. Deshalb war klar: Wenn ich mich beruflich verändere, dann in diesen Bereich hinein. Für mich war dieser Weg eine Berufung.

"Im Rückblick kann ich sagen: Ich bin wirklich der Mensch für die Kleinen."

Was hat Ihren „Korntaler Weg“ geprägt?

Mein Glaube an Jesus Christus: Er ist Grundlage für mein Leben und meine Arbeit und Kraftquelle für vieles, was manchmal fast unlösbar schien.Die Gespräche mit meinem Mann: Er stand selbst in Leitungsverantwortung und hat mir oft guten Rat gegeben. Meine Erfahrung als Bankerin: Für die Kita-Leitung habe ich von meinem kaufmännischen Denken profitiert. Eigene Weiterbildungen: Sie haben mir wertvolle Kompetenzen vermittelt und meinen Horizont erweitert.

Worauf haben Sie in Ihrer pädagogischen Arbeit Wert gelegt?

Auf einen hohen professionellen Standard. Wir konnten viele innovative Impulse umsetzen, etwa Portfolios für Kinder oder ausführliche Dokumentationen für regelmäßige Entwicklungsgespräche mit den Eltern. Wir haben „Funktionsecken“ eingeführt, wo man ungestört experimentieren, bauen oder in einer Puppenecke spielen kann.

Die Partizipation der Kinder lag uns am Herzen: ihnen zuhören, ihre Meinung wahrnehmen. Wir haben gefragt: Was bewegt euch gerade? Wenn ein Großelternteil gestorben war, haben wir über Trauer gesprochen; kam ein Geschwisterkind zur Welt darüber, wie ein Mensch entsteht. Wurden im Garten immer wieder mal Pflanzen ausgerissen, haben wir zusammen in der Erde gearbeitet und erlebt, wie viel Zeit und Pflege die Natur zum Wachsen braucht. Mit den Kindern haben wir gemeinsam wichtige Themen besprochen. Das funktioniert tatsächlich schon bei den Kleinen.

Die Elternarbeit lag Ihnen besonders am Herzen. Warum?

Jedes Kind ist eine eigenständige Persönlichkeit, sein Wohl steht im Zentrum unseres pädagogischen Handelns. Aber jedes Kind ist auch im Kontext seiner Familie zu sehen, es kommt woanders her und hat Unterschiedliches „im Gepäck“. Als ausgebildete Familienberaterin verstehe ich Familie als soziales Ganzes. Wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut. Deshalb war für mich Elternarbeit wichtiger Teil unseres Erziehungsauftrags. Der direkte Kontakt zu Müttern und Vätern hat viele Fragen geklärt und manches Gerücht verhindert. Wir haben Eltern ermutigt, sich Zeit zu nehmen für ihre Kinder und bei Problemen nicht gleich „die Flinte ins Korn“ zu werfen.

Aus meiner Erfahrung sind Eltern die besten Kompetenzträger für die Erziehung ihrer Kinder. Es war immer eine Bereicherung, wenn sie sich aktiv eingebracht haben, z.B. im Elternbeirat oder bei Bau-Nachmittagen, an denen vor allem die Väter gemeinsam mit ihren Kindern Reparaturen am Haus und an Spielsachen durchgeführt haben. Eltern habe ich als exzellente Fürsprecher und wertvolle Netzwerker erlebt. Sie verfügen über ein immenses Wissen und über Erfahrungen, die sie gern für den Kindergarten zur Verfügung stellen.

Was hieß es für Sie, die Korntaler Kitas bewusst christlich zu führen?

Glaube muss konkret erlebt werden. Die Gestaltung christlicher Feste und Feiertage im Jahresrhythmus und der enge Kontakt zur Brüdergemeinde bieten dafür viele Ansatzpunkte. Vor Corona sind wir regelmäßig in den Großen Saal gegangen und haben eine kindgerechte Kurzpredigt von Pfarrer Jochen Hägele gehört. Dadurch haben die Kinder das Gebäude und religiöse Praxis als etwas ganz Normales erlebt. Sie haben weniger Berührungsängste mit Kirche, wenn sich ihr Kinderglaube einmal verliert und sie als Jugendliche oder Erwachsene einen eigenen Bezug zu Gott finden wollen.

Was waren für Sie Höhepunkte?

Die Neugestaltung des Kindergartens in der Gartenstraße – architektonisch von Haus und Garten, pädagogisch im Ausbau der Angebote – hat mir viel Freude gemacht. Das Konzept für ein neues Kinderhaus zu entwickeln, hat mich besonders begeistert. „Träumen Sie mal“, sagte die Architektin damals zu mir. Das habe ich auch getan. Viele meiner Vorstellungen wurden umgesetzt. Bei der Einweihung des Neubaus im Jahr 2014 kannte ich in dem Gebäude fast jeden Nagel und Stein. Im Rückblick bin ich einfach nur dankbar, wie sich das Leben mit Mutter-Kind-Gruppe, Krippe und Kindergarten entwickelt hat. Sehr erfreulich finde ich auch, dass Heidi Happes meine Nachfolge angetreten hat. Wir haben viele Jahre eng zusammengearbeitet. Ich schätze ihr enormes Engagement, ihre organisatorische Fähigkeit, ihr kaufmännisches Verständnis und die Gelassenheit, tausend Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Und mit ihrem Humor hat sie so manche angespannte Situation entkrampft.

Was nehmen Sie aus Korntal mit?

Viele wertvolle Beziehungen. Erfahrungen, die meinen Glauben gestärkt haben. Gute Erinnerungen an „meine“ Kinder. Ihre Unmittelbarkeit ist ansteckend. Sie leben ja ganz unbeschwert im „Hier und Jetzt“ und freuen sich am Regenwurm im Garten genauso wie über den Hubschrauber am Himmel. Diese unbekümmerte Lebensfreude nehme ich auf jeden Fall mit. Kraft geschöpft habe ich aus der Gewissheit: Gott war immer „Chef im Ring“. Ihm konnte ich Kinder, Eltern, Mitarbeiterinnen und alle kleinen und großen Probleme anbefehlen. In all den Jahren hat mich als persönliches Leitwort begleitet: „Selbst loslassen und Gott machen lassen.“ Dieses Motto eignet sich auch gut für meine neue Lebensphase im aktiven Ruhestand.

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